Der Schatz in der Lüderitzer Felsenkirche

2012-10-04 12:25 von Konny von Schmettau

Der 100 Jahre alte Brief ist „mit handwerklichen Grüßen“ unterzeichnet

Atemlose Stille herrschte auf dem Kirchenvorplatz, als Dachdeckermeister Dietmar Pistorius seine Hand in die hohle Spitze des historischen Kirchturm steckte und eine Pergamentrolle hervor holte. Zunächst war lediglich ein zusammengeknülltes Stück Papier hervor gekommen und die Kugel selbst war leer. Pistorius war darüber sehr enttäuscht, denn nach alter, deutscher Handwerkstradition wurden in Kirchturmspitzen oft Münzen, Geschenke und andere Schätze verborgen. Auch Grußbotschaften von Bauherren und Spendern und so manches andere, das man für kommende Generationen erhalten wollte, wurde in anderen Kirchtürmen gefunden.

Und dann entdeckte er die Pergamentrolle, die vor 100 Jahren in die oberste Ecke der sich verjüngenden Spitze geschoben worden war! Vorsichtig rollte Pistorius sie auf und zum Vorschein kam eine „Lüderitzbuchter Zeitung“ vom 25. November 1911 mit einem Bericht über die Grundsteinlegung der Felsenkirche.

Und damit nicht genug – inmitten der Zeitungsseiten befand sich ein Brief des Klempnermeisters Wilhelm Meckel, von Hand geschrieben und unterzeichnet am 12. Juni 1912. Damit war die Sensation perfekt und auch Kirchenvorstand Erich Looser zeigte sich begeistert.

Mit dem gefundenen Dokument wird klar, dass der Handwerker der Felsenkirche aus Deutschland stammte und die dortigen Traditionen auch in seiner neuen Heimat fortsetzte.

Pistorius und seine Mitarbeiter umstanden die im Sand liegende Kirchturmsitze mit strahlenden Gesichtern, nachdem Dachdecker Lukas sie in schwindelnder Höhe von 27 Metern mit größter Konzentration abmontiert hatte. Auf den Schultern transportierte er sie bis zum Gerüst, wo seine Kollegen sie entgegen nahmen.

Der Briefkopf lautet wie folgt: „Wilhelm Meckel – Klempnerei – Lüderitzbucht, den 12. Juni 1912 – Postfach 189“.

In seinem Brief schreibt Meckel:
„Im Jahre 1912 wurde diese Kirche von Herrn Albert Bause, Baugewerksmeister in Lüderitzbucht nach seinen ausgearbeiteten Plänen gebaut. Wobei mir die Klempnerarbeiten der Kirche übertragen wurden. Die Deckungsarbeiten am Turm wurden in Kupferblech in Stärcke von 0,7 m/m ausgeführt. Ich arbeitete zirka 21 Tage auf dem Turm. Diese Kugel ist eigenhändig von mir ausgefertigt. Und am 17. Juni 1912 von mir aufgesetzt. Inhalt derselben sind dieses Schreiben sowie die letzte Nummer der Lüderitzbuchter Zeitung sowie das letzte veröffentliche Protokoll des Landesraths. Mit handwerklichen Grüßen an die zukünftigen Finder dieses Schreibens Wilhelm Meckel - Klempnermeister – Lüderitzbucht - geb 1 Oktober 1870 zu Brunau, Kreis Salzwedel – Königrei ...“ – Die letzten Buchstaben sind leider nicht mehr lesbar. - Jedoch der Kreis Salzwedel gehörte damals zum Königreich Preußen.

Kirchenvorstand Looser sagte im Interview, dass man bisher nicht entschieden habe, was mit dem wertvollen Schreiben begonnen werde. Vermutlich werde es in der Felsenkirche ausgestellt, so dass es einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könne.
Nun ist man nicht nur in Lüderitz gespannt auf die fachkundliche Auswertung dieses einmaligen Dokumentes.

(c) Konny von Schmettau 

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von andreas simon | 2012-10-04

Danke Konny

Ein toller Bericht und wir werden uns das ansehen bei unsere Reise.

viele liebe Grüße aus dem kalten veregneten Deuschland (13Grad)
ute & andreas