Frühlingserwachen in Namibia

2013-09-02 19:09 von Konny von Schmettau

„Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte“, schrieb der deutsche Dichter Eduard Ferdinand Mörike im 19. Jahrhundert, und während in Deutschland nach einem traumhaft schönen Sommer der Herbst die Wälder in leuchtenden Rottönen erstrahlen und den Hauch des Winters ahnen lässt, beginnt es bei uns in Namibia zu Grünen und zu Blühen. Die Wüste erwacht zu neuem Leben, in  den Rivieren wuseln Tok-Tokkies umher, Salamander strecken ihre kleinen Glieder wohlig der wärmenden Sonne entgegen, Büsche und Bäume bringen prächtige Blüten hervor.

Dort drüben, tief im Rivier, wo man nur mit 4x4 hinkommt und nur wenige Touristen hinfinden, stellt ein Dik-Dik seine Lauscher neugierig und ohne Angst empor, Strauße schreiten an roten Dünen hinauf und eine gestreifte Wildkatze huscht im Gebüsch umher, auf der Suche nach Beute. Die gibt es reichlich in dieser unendlich scheinenden Nahrungskette aus Kleinstlebewesen, die Wasser speichern und daher als Delikatesse bei den etwas Größeren gelten, um letztlich wiederum als Nahrung für die großen Fleischfresser dienen. Die doch nur klein erscheinen, denn in den Rivieren sind Wildkatze, Schakal und Hyäne die einzigen wirklichen Raubtiere.

Die länglichen Blüten des wilden Tabaks leuchten zwischen vertrockneten Zweigen der Trauerweide hindurch, der Kameldornbaum streckt seine runden, leuchtend gelben Blüten vorwitzig den daneben wachsenden Schoten entgegen. Salamander, Geckos und Chamäleons in mannigfaltigen Arten flitzen über den Sand, der !Nara-Busch lässt aus seinen Blüten die ersten kleinen Früchte wachsen.

Frühlingserwachen in den Rivieren – für uns an der Küste bricht die schönste Jahreszeit an mit Eisblumen im Gestrüpp und kleinsten, doch in ihrer Winzigkeit so vollkommenen Pflänzchen, die sich an karstige Felsen klammern. Die Sonne wärmt den von kalten Nächten durchdrungenen Sand, die nackten Füße graben sich wohlig hinein und endlich kann man auch wieder ohne Bibbern und Frösteln unterm unendlichen Sternenhimmel schlafen. Das knisternde Lagerfeuer verbreitet heimeliges Licht und Wärme, während tapsende Schritte das Annähern eines kleinen Nagers verkünden und die Büsche im leichten Abendwind geheimnisvoll rascheln.

Es wird Zeit, wieder in der Natur zu wandern, die warmen Pullover und Schuhe gegen Shorts, T-Shirt und Plakkies auszutauschen und mit der Kamera durch die Riviere zu streifen, wo Dünenlerchen und Bienenfresser ihr Zwitschern jauchzend in den beginnenden Tag senden und Webervögel unter lautem Gezeter neue Nester bauen.

Leben wir nicht in der schönsten aller Welten?! 

© Konny von Schmettau

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