Rezension von Anja Siouda zu "Auf Pad"

2013-09-04 16:27 von Konny von Schmettau

Die bekannte Schriftstellerin Anja Siouda schreibt:

21. Juni 2013 um 22:13

Rezension zu den Reisebüchern von Konny von Schmettau                                    

„Auf Pad mit Konny von Schmettau“ und „Auf Pad. Mit Konny von Schmettau durch den Süden Namibias, inklusive Oranjemund“  2011 respektive 2012  im Hippos Verlag, Swakopmund Namibia erschienen.

Eigentliche Reiseführer sind es nicht, aber „Reportagen und Geschichten aus dem Land der unendlichen Weite und Freiheit“, wie sie die Autorin, Journalistin und Globetrotterin selber untertitelt hat.

Ich muss gestehen: Von Namibia, diesem fernen Land und dieser ehemaligen deutschen Kolonie an der Küste Westafrikas kannte ich, zumal als Schweizerin ohne direkte koloniale Geschichte, eigentlich nichts ausser den Namen. Konny von Schmettau mit ihrer profunden Namibia-Kenntnis aber hat mir dieses mir völlig unbekannte Land  in ihren originellen und unterhaltsamen Reportagen, anschaulichen Anekdoten und lebendigen Portraits nähergebracht.  Dass es in Namibia Diamantensperrgebiete, Uran- und Quarzvorkommen, Salzfelder, Klangsteine, faszinierende Canyons, endemische Pflanzen wie die Welwitschia, die bis zu 2000 Jahre alt werden kann, einen Drittel des weltweiten Bestandes an Geparden, wilde Pferde, Robbenkolonien, Pelikane, Klopfkäfer, Senfbüsche und zahlreiche andere fremdartige Tier- und Pflanzenarten gibt, kommt mir natürlich sehr exotisch vor. Nichts Vergleichbares ist in meiner unmittelbaren Umgebung in Europa zu finden. Schon eher bekannt sind mir hingegen die nach Afrika importierten Bräuche wie der Swakopmunder Karneval und der Männergesangsverein – etwas, das ich eigentlich in Afrika in dieser Form überhaupt nicht erwarten würde.

Zahlreiche Aufnahmen von Konny von Schmettau, im ersten Buch, dessen Cover für meinen Geschmack etwas aufgepeppt werden könnte,  mehrheitlich in Schwarzweiss, im zweiten, mit einem attraktiveren Cover, dagegen in Farbe, dokumentieren beeindruckende Landschaften, ungewöhnliche Flora und Fauna, sowie bauliche Sehenswürdigkeiten und Episoden aus dem Alltag. Historische Schwarzweiss-Fotos aus dem Oranjemund Museum illustrieren die erstaunliche Geschichte der Diamantenminen.

Auch Werbeanzeigen von Reiseunterkünften und -unternehmen, die Konny von Schmettau selber empfiehlt und teilweise im Detail beschreibt, sind in diesen Reisebüchern zu finden. Der zukünftige Namibia-Reisende wird dort nützliche Informationen finden und zudem die Gewissheit haben, dass von jedem verkauften Exemplar der Bücher eine Spende an den gemeinnützigen Verein pro Namibia e. V. geht, der alleinerziehende Mütter und Kinder in den Armenvierteln unterstützt und den Konny von Schmettau ehrenamtlich repräsentiert. Da sie nämlich in Swakopmund ihr Zuhause hat, ist sie natürlich auch auf die sozialen Probleme vor Ort sensibilisiert.

Obwohl es sich nicht um literarische Werke handelt, gibt es hie und da stilistische Perlen, so etwa die hier, die mir besonders gut gefällt, weil ich einfach die Augen schliessen und mir Geräusche und Stimmungen lebhaft vorstellen kann: „Nach einer eindrucksvollen Tour mit Giel [Name] lockt das urige Bushcamp, nur wenige Kilometer von der Strasse entfernt, doch in ursprünglicher Natur. Sternschnuppen flitzen über den dunklen Nachthimmel, Webervögel schimpfen noch ein bisschen miteinander, bis auch sie sich zur Ruhe begeben in dieser unberührten Natur, und nur das leise Tapsen kleiner Nachttiere unterbricht hie und da die Stille.“ S.32 Auf Pad 2012.

Etwas mehr Aufmerksamkeit hätte die Autorin in meinen Augen den Einheimischen widmen können, den Ureinwohnern von Namibia. Tatsächlich erwähnt sie Volksstämme wie die Buschmänner, die Damara im gleichnamigen Living Museum und die Topnaar, doch bekommt man den Eindruck, dass die Welten der eingewanderten Europäer und der Ureinwohner parallel verlaufen und dass die touristischen Infrastrukturen, wichtige Unternehmen und kulturelle Güter allein in den Händen von Deutsch-Namibiern sind. Eine Ausnahme immerhin dokumentiert die Autorin, nämlich die Rostock Ritz Desert Wüsten-Lodge von Kücki Kühnhirt, in welcher ausschliesslich Namibier arbeiten und welche in Zukunft auch von ihnen geleitet werden soll. Der Inhaber sei in dieser Hinsicht landesweit ein Vorreiter, schreibt die Autorin.

Natürlich aber sind die Reisebücher von Konny von Schmettau in erster Linie für Namibia-Reisende gedacht, für Touristen, die nicht nur auf der Suche nach Hintergrundwissen zu Land und Leuten sind, sondern auch nach wilder Natur, Abenteuern in der Wüste, Camp-Feuer-Ambiente unterm sagenhaften Sternenhimmel und sportlichen Aktivitäten. Auch in dieser Hinsicht bietet Namibia ungeahnte Möglichkeiten: Gleitschirmfliegen, Sandboarding, Angeln am Strand und im Meer, Quad- und Heissluftballonfahrten, Segeln mit Katamaranen, Flüge mit Kleinflugzeugen usw. Allerdings stellt die Autorin auch mit Bedauern fest, dass die enormen Touristenströme die Tiere in freier Wildbahn in ruhigere Regionen abwandern lassen und dass das manchmal rücksichtslose Getrampel der Reisenden mancherorts auch jahrhundertalte Schönheiten der Natur zerstört.

Auch dieser kritische Blick der Autorin auf die Auswüchse des Tourismus, der nichtsdestotrotz eine wichtige Einnahmequelle des facettenreichen Namibias darstellt, macht diese handlichen, (demnächst übrigens auch als e-book verfügbaren) Reisebegleiter, wie sie die Autorin selber nennt, lesenswert und zum Must für die Reisetasche!

Anja Siouda, Schriftstellerin (17.8.2013)

www.anjasiouda.com

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben